Streetworker nicht mehr wegzudenken

29.7.2009

 
Die Streetworker des Jugendsozialwerks sind in der Region Liestal nicht mehr wegzudenken. René Portmann (re.) nimmt sich seit 2007 Jugendlichen am Rand der Gesellschaft an, seit Beginn dieses Jahres unterstützt ihn Philipp Frei (li.) dabei. Liestal sowie die Gemeinden Bubendorf, Frenkendorf, Füllinsdorf, Lausen, Lupsingen, Seltisberg und Reigoldswil finanzieren diese gesellschaftlich wichtige Aufgabe. Die Beiden haben jeweils ein Teilzeitpensum und suchen in diesen Orten soziale Brennpunkte auf, entschärfen Konflikte und helfen bei persönlichen Problemen von jungen Menschen. 

Die Wende in Thomas Leben
Zum Beispiel Thomas (Name von der Redaktion geändert): Als René Portmann mit ihm in Kontakt kam, hatte er keine Ziele für sein Leben, er lebte auf der Strasse und war drogenabhängig. Der Streetworker führte viele Gespräche mit ihm und holte weitere Fachleute hinzu, die mit der Stiftung Jugendsozialwerk Blaues Kreuz BL vernetzt sind. Tatsächlich kam es zur Wende: Thomas zog in ein Wohnheim und absolviert jetzt ein Praktikumsjahr für die Lehre als Gartenbauer. Er konsumiert keine Drogen mehr, da er eine neue Perspektive gefunden hat. Thomas’ Mutter war für den Einsatz von René Portmann sehr dankbar, denn sie konnte mit ihrem Sohn nicht mehr reden – der Streetworker war wie eine Brücke für die Familie.

Integration in die Gesellschaft
Die beiden Streetworker stellen fest, dass oft falsche Erwartungen in der Gesellschaft vorhanden sind. René Portmann betont: „Wir sind nicht die Polizei. Unsere Aufgabe ist nicht, Jugendliche aus dem öffentlichen Raum zu vertreiben, sondern sie in die Gesellschaft zu integrieren.“ Am besten gelingt das, wenn sie präventiv vorgehen. Bevor es zu Konflikten kommt, gehen sie auf Cliquen oder einzelne Jugendliche zu, um eine Beziehung mit

ihnen aufzubauen. Sie nehmen sich der Anliegen der Jugendlichen an und helfen ihnen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Die Streetworker werden mit vielen Themen konfrontiert, zum Beispiel Beziehungsstreitigkeiten, Arbeitslosigkeit, Schlägereien, Suchtproblemen und Selbstmordgedanken. 

Stärkung der Persönlichkeit
René Portmann und Philipp Frei sehen neben dem Aufsuchen auf der Strasse noch eine andere wichtige Aufgabe: „Wir wollen Jugendliche in ihrer Persönlichkeit stärken“, unterstreicht Philipp Frei. Darum bieten sie auch Workshops und erlebnispädagogische Projekte, wie Klettern, Selbstverteidigung oder gemeinsames Kochen an. Zur Präventionsarbeit gehören auch Besuche in Schulen. Zum Beispiel fand im Frühjahr im Gymnasium Liestal ein mehrwöchiges Projekt zum Thema Gewalt statt. In Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus Joy in Liestal gab es ein Foto-Shooting für Mädchen. Anschliessend diskutierten die beiden Mitarbeitende des Jugendsozialweks mit ihnen, um sie auf die Gefahren im Ausgang zu sensibilisieren. In den nächsten Monaten sind unter anderem ein erlebnispädagogischer Tag in Reigoldswil zum Thema „Freundschaft und Vertrauen“ sowie Kurse für Aggressionsmanagement und Selbstbehauptung in Frenkendorf und Füllinsdorf geplant.