Mädchen küssen Froschkönig

Liestal. Jetzt sind die Mädchen am Ziel: aus einem hässlichen, lindgrün gestrichenen Kämmerchen und Teppichboden mit schwungvollen Mustern aus dem vergangenen Jahrhundert ist ein attraktiver Raum mit geschmackvoller Bemalung, nett dekorierten Lichtern, einer kreativen Spiegelwand, einem bequemen Sofa zum Chillen (Neudeutsch: sich entspannen) und einem Schminktisch mit allen dazugehörigen Utensilien entstanden. Die Mädchen des Jugendhauses Joy nahmen sich dem „Froschkönig“ persönlich an und küssten ihn zu neuem Leben. Am Dienstag weihten sie unter Leitung von Claudia Kuonen, Sozialarbeiterin bei der Stiftung Jugendsozialwerk, den nur zwölf Quadratmeter grossen Raum ein, der aber für sie jetzt ein Prinzessinnen-Reich für „Girls only“ geworden ist.  

  Die geladenen Gäste nehmen im neu eingerichteten Mädchenraum Platz: Geschäftsführer Hans Eglin (li), Mitglieder des Zonta-Clubs, Stadtpräsidentin Regula Gysin (Mitte hinten), Sozialarbeiterin Claudia Kuonen (Mitte vorne), Mitglieder der Stiftung Gemeindestube Füllinsdorf-Frenkendorf (rechts) und Einwohnerrätin Sutter (vorne re).
 
Rückzugsraum gewünscht
Stadtpräsidentin Regula Gysin war voll des Lobes über das gelungene Projekt. Sie ist glücklich, dass sich das Jugendhaus mitten in der Stadt befindet und Kinder und Jugendliche in unterschiedlichem Alter eine Auswahl haben, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Guido Langenegger, der Leiter des Jugendhauses, erinnerte während der Feierstunde an die unbefriedigende Situation bis vor einem Jahr: Mädchen hatten nur in Praktikantinnen eine Bezugsperson mit dem gleichen Geschlecht, die aber in der Regel nach einem halben Jahr wieder das Jugendhaus verliessen. Wertvolle Beziehungen brachen ab. Dank einer Erhöhung der Stellenprozente konnte Claudia Kuonen teilzeitlich angestellt werden. Sie nahm schon bald das Projekt, einen Mädchenraum zu schaffen, in die Hand. Dort sollten sich die Mädchen zurückziehen können, sich wohlfühlen und auch in aller Ruhe persönliche Gespräche führen.

Freier Lauf für Kreativität
Mädchen, die regelmässig ins Jugendhaus kommen, konzipierten, suchten Sponsoren, machten sich auf Einkaufstour im Baumarkt, nahmen Bohrer und Pinsel zur Hand und liessen ihrer Kreativität und ihrem Gestaltungswillen freien Lauf. Das Ergebnis gefiel den geladenen Gästen bei der Einweihungsfeier: Sie nahmen genüsslich im Sofa Platz und bestaunten den geschmackvoll dekorierten Raum. Beim Apéro stiessen Gemeindepräsidentin Regula Gysin – die Stadt Liestal ist Eigentümerin des Hauses –, Einwohnerrätin Sutter, Nicholas Arthur von der Jugendkommission, die Sponsoren – der Zonta-Club Liestal und die Stiftung Gemeindestube Füllinsdorf-Frenkendorf – mit den Mitarbeitenden des Jugendsozialwerks an. Geschäftsführer Hans Eglin dankte allen, die sich tatkräftig eingesetzt haben. Einen poppigen Ton schlugen während der Feier Christopher Heath (Gitarre), Simon Ehrat (Djembe-Trommel) und Iris Bösiger (Gesang) an.
 

Jungs ziehen nach
Der spezielle Raum für die Mädchen hat Begehrlichkeiten bei den Jungs geweckt. Jugendhausleiter Guido Langenegger habe nun ein „Problem“, gestand er schmunzelnd ein: die Jungs wünschen jetzt auch spezielle Öffnungszeiten und Projekte für sich. Da ist etwas in Bewegung geraten. Diese „Probleme“ lösen die Jugendmitarbeitenden gern.