„Das Falkennest war meine letzte Chance“

„ABC – Architektur und Bau Caluori“ steht in schwungvollen Buchstaben auf seiner Visitenkarte. Hanspeter Caluori führt eine eigene Firma und ist mit einem Geländewagen zu Kunden unterwegs. Der braungebrannte Mann strahlt Freundlichkeit aus, ist flexibel und mit seinen Händen geschickt. Niemand käme auf die Idee, dass er eine zwanzigjährige „Drogenkarriere“ hinter sich hat.  

Der Rebell fliegt raus
„Als ich ins Falkennest kam, war ich ganz unten“, erinnert sich Hanspeter Caluori, „das Wohnheim war meine letzte Chance.“ Der Anfang war schwer, weil er mit 39 Jahren der Älteste der Bewohner war. Er arbeitete zunächst in der Brockenhalle in Reinach und machte anschliessend ein Praktikum auf dem Bau, weil er ausgebildeter Hochbauzeichner und Maurer ist. Aber nach 14 Monaten war Schluss: „Ich bin nicht der Typ, der sich unterordnen kann. Ich musste das Falkennest verlassen, weil ich rebellisch war.“ Eine Familie nahm ihn auf. Dort machte er Erfahrungen, die ihm aus seiner eigenen Familie unbekannt waren: eine Atmosphäre des Angenommenseins, in respektvollem Miteinander, ohne Gewalt und Streit. Er begleitete die Familie bei Besuchen zu einer christlichen Gemeinde. Ein halbes Jahr später liess er sich taufen. Leider holte ihn sein altes Leben kurz vor der Taufe und auch danach nochmals ein, sodass er einen Entzug in einer Klinik machte.
  
  

Firma gegründet
Von der Drogensucht war er inzwischen frei geworden, aber er kämpfte noch mit dem Alkohol. Danach ging es aufwärts. Heute ist er immer noch auf der Hut vor dem Alkohol, aber er bemüht sich, sein Leben nach christlichen Massstäben auszurichten. 2009 machte er sich selbstständig im Gerüstbau, mit Gipser- und Maurerarbeiten sowie Renovationen; zeitweise hat er einen bis zwei Angestellte. Zu seiner eigenen Familie hat er wieder eine gute Beziehung aufgebaut.

Eine Welt  brach zusammen
Hanspeter Caluoris Verhältnis zu seinen Eltern war von Problemen überschattet. Sein Vater war ein erfolgreicher Amateur-Motocrossfahrer. „Mein Traum war, auch Motocrossfahrer zu werden“, erzählt Hanspeter Caluori. Das liess der Vater aber nicht zu, zum einen lag es finanziell nicht drin, zum anderen sorgte sich der Vater um die Gesundheit des Sohnes. „Da brach eine Welt für mich zusammen.“ An seinem Arbeitsplatz machte er schnell Karriere, bereits mit 22 Jahren führte er als Bauleiter bis zu 30 Personen. Aber er fühlte sich überfordert. Der zerplatzte Traum und die berufliche Überforderung führten dazu, dass er nach Kokain und Alkohol griff. Mit Kokain konnte er Tag und Nacht arbeiten. Er leitete auch 130 Jugendlichen im Fussballspielen an und spielte Hockey. Er nahm eine Mischung aus Heroin und Kokain, um sich aufzupuschen. Er führte ein Doppelleben. Niemand hatte bemerkt, dass er in diesem Masse drogensüchtig ist. Das Doppelleben flog auf, als finanzielle Probleme auftauchten und er mit der Polizei wegen krimineller Delikte zusammenstiess. Eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren drohte.
  

Diese konnte er umgehen, indem er 14 Monate in einer Therapieeinrichtung verbrachte. Leider gab es Rückfälle.  2005 konsumierte er eine Überdosis. „Ich wollte mir nicht das Leben nehmen, aber mir war alles egal. Ich habe Engel gesehen und Gott gehört, dass er noch einen Auftrag für mich habe. Ich kämpfte mich ins Leben zurück und wollte es neu versuchen. Dann kam ich ins Falkennest. Das war der Beginn zu einem neuen Leben.“