| Verkaufen, Menschen anleiten und bei Abwesenheit der Chefin den Laden
führen – eine alltägliche Herausforderung? Ja, aber was nach einer
alltäglichen Stellenbeschreibung klingt, entpuppt sich im Gespräch mit
Lars Kottmann als Geschichte eines kleinen Wunders. Lars Kottmann
arbeitet im geschützten Rahmen im Regioladen Tri-Color in Oberwil. Vor
ein paar Jahren hätte wohl niemand gedacht, dass er einmal in der Lage
sein wird, diese anspruchsvollen Aufgaben zu meistern. Obwohl Lars
einmal psychisch schwer krank war, wurde er wieder gesund. „Hin- und wieder träume ich davon, einmal einen eigenen Laden zu
führen“, hat Lars einmal gesagt. Damals im Jahr 2001 hatte er damit
begonnen, erste Vorbereitungen für die Eröffnung des Hoflädeli auf dem
Bernhardsberg zu treffen. Der Bernhardsberg, ein Wohn- und Arbeitszentrum der Stiftung |
Jugendsozialwerk Blaues Kreuz BL in
Oberwil, das Menschen mit psychischen Leiden Arbeit und Zuhause bietet,
war auch für Lars eine Zeitlang Heimat. Nach intensivem Konsum weicher und harter Drogen wurde er psychisch
schwer krank. Er beschloss, neu anzufangen und begann im Jahr 2001 eine
Therapie.
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In neue Aufgabe hineingewachsen Als er in der Garage des Bernhardsberg den Hofladen eröffnete, war er
noch weit entfernt davon, die Verantwortung tragen zu können, die er
bei seiner heutigen Arbeitsstelle hat. Doch Schritt für Schritt wurde
er mit ersten Aufgaben im Verkauf, der Produktion und der
Administration vertraut gemacht. Seine Erfahrungen im
Hoflädeli liess die Idee von einem grösseren Laden reifen. Mit der
Schliessung eines Dorfladens in zentraler Lage in Oberwil war ein
Grundstein für die Eröffnung eines neuen Ladens gelegt.
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Vielseitige Aufgabe im Regioladen Tri-Color
Nach
umfangreichen Planungen und Diskussionen über die Rentabilität eines
Geschäfts mit betreuten Arbeitsplätzen öffnete der Regioladen Tri-Color
Ende 2008 seine Türen. Die Kunden sind besonders von der grossen Käsetheke und dem Bistro angezogen. Auch die Vielfalt an Produkten aus geschützten Werkstätten oder
Bio-Nahrungsmitteln ziehen Kundschaft an.
 | Priska Finardi, gelernte
Verkäuferin, die auch über eine Ausbildung im sozialen Bereich verfügt,
leitet den Laden. Die Künstlerin und Sozialpädagogin Franziska Kaiser,
trägt die Verantwortung für den Bereich Schmuck und Schmuckkurse. Lars
arbeitet hier wie die anderen Teilnehmenden im geschützten Rahmen. Als
vielfältig und herausfordernd beschreibt er seine neue Tätigkeit. Dass
hier Menschen mit einer Invalidenversicherung zurück in den ersten
Arbeitsmarkt geführt werden, mache die Arbeit umso interessanter und
erfordere viel Sozialkompetenz bei der Anleitung der Teilnehmenden,
erklärt die Ladenleiterin. Sechs Teilnehmende sind zuständig für die
Bedienung der Kunden und die Arbeiten in einem Laden. Durch die eigene
Krise machte Lars selber Erfahrungen, die er nun den anderen
weitergeben kann. |
Auf Leistungsdruck vorbereitet
Die Bedienung der Kundschaft erfordert ein kompetentes und zuvorkommendes Auftreten. „Ich habe keine Ausbildung im Service oder im Verkauf“, räumt Lars ein, „da kann das Servieren von mehreren Tassen zur Geschicklichkeitsübung werden. Oder wenn Kunden eine detaillierte Auskunft über eine der 80 Käsesorten wollen, muss ich viel wissen. Der Leistungsdruck und die Stressmomente häufen sich zunehmend bei der heutigen Wirtschaftslage. Mein Job im Regioladen Tri-Color hat mich auf diesen Aspekt sensibilisiert.“
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Viel über sich und die Arbeit gelernt Und was ist aus
dem Traum von Lars geworden? „Heute bin ich meinem Traum vom eigenen
Laden viele Schritte näher gerückt. Ob er irgendwann in Erfüllung gehen
wird, weiss ich nicht. Klar ist jedoch, dass ich auf dem Weg dahin über
die Jahre ungeheuer viel über mich und die Arbeit gelernt habe.“ Michael Schaeppi 10. März 2010
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