Arbeitslosigkeit wirft Martin aus der Bahn

"Irgendetwas muss passieren"
2004 verlor Martin Rölli seinen Arbeitsplatz als Polygraf, seine Firma baute Stellen ab. Die Arbeitslosigkeit warf ihn aus der Bahn. Seitdem gehörten Depressionen zum täglichen Begleiter des damals 24-jährigen Mannes. Ihm kam es so vor, als ob er den Boden unter seinen Füssen verloren hätte. Nur eines war klar: irgendetwas muss passieren. Allein schaffte er es nicht mehr. In seiner Verzweiflung griff er zum Handy. Um vier Uhr holte ihn seine Mutter ab und fuhr ihn auf seinen Wunsch hin zur Psychiatrie.

Vergangenheit aufgearbeitet
Während des Klinikaufenthalts stabilisierte sich Martin Röllis Zustand. Er arbeitete Stück um Stück seine Vergangenheit auf. Als er anschliessend in die Rehabilitationsklinik eintrat, beschäftigte ihn immer stärker die Frage, wie es weiter geht. Bei einem Abteilungsausflug lernte er die Wohngemeinschaft Falkennest des Jugendsozialwerks in Liestal kennen, die ihm zusagte. Im Januar 2008 trat er ein. Durch seine Mitarbeit in der Brockenhalle Reinach fand er wieder in den Arbeitsprozess zurück. „Das hat mir gut getan. Am Abend wusste ich, warum ich müde war“, erzählt er

Heimliches Kiffen fliegt auf
Ein heikles Thema war die Drogenabstinenz. Bis zu diesem Zeitpunkt kiffte der junge Mann regelmässig. „Ich wusste, dass das nicht förderlich war. Aber die Abstinenz erschien mir zu schwierig.


Ich rauchte einmal im Monat einen Joint.“ Regelmässige Urinproben brachten den Verstoss gegen die Hausordnung ans Tageslicht. Es folgten Sanktionen nach jedem Erwischtwerden: eine Geldstrafe, Arbeitseinsatz auf einem Bauernhof, dann die letzte Warnung vor dem Ausschluss. Das half. Martin Rölli liess seitdem seine Finger davon. Im April 2008 begann er ein Praktikum im „Arbeits-Museum Papiermühle“ in Basel. Der frisch gekürte Papiermacher schöpfte Papier für Künstler und Firmen und zeigte die Kunst des Papierherstellens den Museumsbesuchern. Im Dezember 2008 hat er das Falkennest verlassen. „Ich fühle mich bereit für die Welt draussen.“


Gespräche über Gott und die Welt
Im Falkennest kam Martin Rölli mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen: Jugendliche, die den Kurs im Leben verloren haben, Drogensüchtige und psychisch Kranke. Er äussert: „Es braucht Verständnis, damit das Zusammenleben funktioniert. Es gibt Tage, an denen die Mitbewohner auf die Nerven gehen. Dann gibt es Tage, an denen wir etwas Gemeinsames unternehmen können, zum Beispiel Fussballspielen. Das macht mehr Spass, als allein in der Wohnung zu sitzen. Wir führen zum Teil gute Gespräche über Gott und die Welt.

Mehr als Symptombekämpfung
Die Bibel hatte der junge Mann bereits in der Klinik öfter zur Hand genommen. Im Falkennest las er häufig darin. Er wollte wissen, was Gott ihm sagen möchte.

Er fand ausserhalb des Falkennests neue Freude, mit denen er sich über den Glauben an Jesus Christus austauschen konnte. „Ich wusste, nur mit Symptombekämpfung und Alarmglöckchen im Kopf ist es nicht getan. Es braucht mehr als nur eine kleine Persönlichkeitsänderung.“ Auch in Lukas Spinnler, dem Leiter der Wohngemeinschaft, fand er einen Gesprächspartner, mit dem er über seine Lebensfragen reden konnte. Das Wort „Hoffnung“ ist seitdem mit einem neuen Inhalt gefüllt: Die Zeit im Falkennest hat ihm geholfen, seine Lebensängste abzubauen; sein Glaube an Jesus Christus bekam Aufschwung, und nach langer Zeit empfand er wieder das schöne Gefühl, gebraucht zu werden.

10.11.2008