"Irgendetwas muss passieren"
2004 verlor Martin Rölli
seinen Arbeitsplatz als Polygraf, seine Firma baute Stellen ab. Die Arbeitslosigkeit
warf ihn aus der Bahn. Seitdem gehörten Depressionen zum täglichen
Begleiter des damals 24-jährigen Mannes. Ihm kam es so vor, als ob er
den Boden unter seinen Füssen verloren hätte. Nur eines war klar:
irgendetwas muss passieren. Allein schaffte er es nicht mehr. In seiner
Verzweiflung griff er zum Handy. Um vier Uhr holte ihn seine Mutter ab
und fuhr ihn auf seinen Wunsch hin zur Psychiatrie.
Ich rauchte einmal im Monat einen Joint.“ Regelmässige Urinproben brachten den Verstoss gegen die Hausordnung ans Tageslicht. Es folgten Sanktionen nach jedem Erwischtwerden: eine Geldstrafe, Arbeitseinsatz auf einem Bauernhof, dann die letzte Warnung vor dem Ausschluss. Das half. Martin Rölli liess seitdem seine Finger davon. Im April 2008 begann er ein Praktikum im „Arbeits-Museum Papiermühle“ in Basel. Der frisch gekürte Papiermacher schöpfte Papier für Künstler und Firmen und zeigte die Kunst des Papierherstellens den Museumsbesuchern. Im Dezember 2008 hat er das Falkennest verlassen. „Ich fühle mich bereit für die Welt draussen.“
Er fand ausserhalb des Falkennests neue Freude, mit denen er sich über den Glauben an Jesus Christus austauschen konnte. „Ich wusste, nur mit Symptombekämpfung und Alarmglöckchen im Kopf ist es nicht getan. Es braucht mehr als nur eine kleine Persönlichkeitsänderung.“ Auch in Lukas Spinnler, dem Leiter der Wohngemeinschaft, fand er einen Gesprächspartner, mit dem er über seine Lebensfragen reden konnte. Das Wort „Hoffnung“ ist seitdem mit einem neuen Inhalt gefüllt: Die Zeit im Falkennest hat ihm geholfen, seine Lebensängste abzubauen; sein Glaube an Jesus Christus bekam Aufschwung, und nach langer Zeit empfand er wieder das schöne Gefühl, gebraucht zu werden.
10.11.2008


