Peacemaker haben offene Ohren

Wer Yves Ribeiro als Teenager kennengelernt hat und ihn mit dem heute 21-Jährigen vergleicht, reibt sich verwundert die Augen. Wie unzählige andere Jugendliche ging auch er damals am Wochenende mit seinen Freunden in den Ausgang und testete seine persönlichen Grenzen unter anderem mit hohem Alkoholkonsum. Er liebte die Freiheit und schlug auch über die Stränge. Heute geht er einfühlsam auf Kollegen zu, die bedrückt sind oder aggressiv ihre Fäuste sprechen lassen. Er weist sie auf die schlimmen Folgen des übermässigen Alkoholkonsums hin und hilft bei der Lehrstellensuche. Im Sissacher Jugendtreff „Club Underground“, der von der Stiftung Jugendsozialwerk Blaues Kreuz BL geführt wird, gehört er zu den freiwilligen Mitarbeitern. Er unterstützt das Team „Peacemaker“. Wie kam es zu dieser Lebenswende?

Yves hilft im Garderoben-Team
Yves, der in Sissach aufgewachsen ist, kennt den Club seit seinem 13. Lebensjahr. Weil er sich für den Jugendtreff noch zu jung fühlte, schloss er sich einigen älteren Freunden an und schaute zu, wie sie Breakdance tanzten oder spielte am Töggelikasten. Als er 19 Jahre alt war, suchte Leiter Thomas Furrer für eine Party weitere Helfer. Yves’ Kollege arbeitete im „Garderoben“-Team mit. Spontan sagte Yves seine Mitarbeit zu. Er nahm Jacken entgegen, verteilte Nummern, am Schluss der Party sorgte er dafür, dass niemand frierend nach Hause ging. Aus einem Einsatz entpuppte sich eine ständige Mitarbeit, bis er schliesslich sogar mit einem Freund zusammen die Teamleitung übernahm.

Zum „Peacemaker“ ernannt
Für Leiter Thomas Furrer ist der Jugendtreff viel mehr als nur eine blosse Freizeitbeschäftigung für Jugendliche. Nach Ausbildungen im wirtschaftlichen und psychologischen Bereich studiert er zurzeit an der Fachhochschule Zentralschweiz Soziokulturelle Animation. Er möchte jungen Menschen tragfähige Werte fürs Leben mitgeben, ihnen helfen, ihre Talente zu entdecken, ihr Selbstbewusstsein stärken und sie in Verantwortung einbeziehen. So entwickelte er ein Peacemaker-Konzept. Im Februar 2009 kam ein neues Team für freiwillige Mitarbeiter hinzu: die Peacemaker (dt. Friedensstifter). Yves sowie ein anderer Junge gehören dazu.

Yves geht auf andere zu
„Wenn wir jemanden sehen, der aus dem Rahmen fällt, gehen wir auf ihn zu und reden mit ihm“, beschreibt Yves seine neue Aufgabe. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn jemand bei Partys am Rande des Jugendhausareals Alkohol trinkt oder extensiv raucht. „Wir machen diejenigen, die auffallen, auf ihr Verhalten aufmerksam und regen sie zum Nachdenken an.“ Dass die Peacemaker von den Jugendlichen ernst genommen werden, liegt daran, dass sie nicht „von oben herab kommen“, sondern aus ihrem eigenen Leben erzählen, wie auch sie unter Problemen gelitten und einen Ausweg gefunden haben. Bei grösseren Problemen, wie zum Beispiel familiären Beziehungskonflikten, verweist Yves seine Gesprächspartner an die Mitarbeitenden der Offenen Jugendarbeit.

Geteilte Freude
„Ich helfe gern Menschen und begleite sie“, sagt Yves über seine Motivation. Einmal habe er einem Mädchen helfen können, indem er nur zuhörte. Es hatte niemanden, mit dem es über sein Problem reden konnte. Als es nach längerer Zeit wieder lachen konnte, wusste Yves, dass sich etwas zum Positiven entwickelt hat. Ein anderes Mal habe er einen 17-Jährigen gerade noch davon abhalten können, die Lehre hinzuwerfen. Yves half ihm bei einer beruflichen Neuausrichtung. Inzwischen hat dieser die Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen. Die Freude darüber teilten sich die beiden jungen Männer. Yves, der zurzeit das dritte Lehrjahr als Kaufmann absolviert, ist vom „Peacemaker“-Konzept überzeugt.

Personeller Ausbau in Planung
Der Ausbau der Peacemaker auf weitere Personen ist geplant. Dadurch sollen die vielseitigen Herausforderungen der Peacemaker noch besser gelöst werden können.

7.4.2010